Dr.
Ruhr-Universität Bochum
Institut für Theaterwissenschaft
Universitätsstr. 150
44801 Bochum
Raum: GB 3/134
E-Mail: tomaz.amorim@ruhr-uni-bochum.de
Dr. Tomaz Amorim ist Principal Investigator des Teilprojekts „Extraktivismus und Infrastruktur in der brasilianischen Literatur“ (TP 4) innerhalb der DFG-Forschungsgruppe Infrastruktur: Ästhetik und Versorgung an der Ruhr-Universität Bochum. Neben seiner Tätigkeit in Bochum ist er Associated Investigator am vom BMFTR geförderten Maria Sibylla Merian Centre Conviviality-Inequality in Latin America (Mecila), wo er zuvor als Akademischer Koordinator fungierte, sowie Assoziierter Forscher und Mitglied des Vorstands am Brasilianischen Zentrum für Analyse und Planung (CEBRAP).
Er promovierte 2018 in Literaturtheorie und Vergleichender Literaturwissenschaft an der Universität von São Paulo (USP) mit einer Arbeit über Franz Kafka und Walter Benjamin (Contar do tempo interrompido), die einen Forschungsaufenthalt an der Humboldt-Universität zu Berlin beinhaltete. Seinen Masterabschluss erwarb er an der Universität Campinas (Unicamp) als Stipendiat des Albertus-Magnus-Programms an der Universität zu Köln. Seine akademische Laufbahn in Brasilien wurde durch Stipendien von FAPESP, CAPES und CNPq gefördert. Nach seiner Promotion war er Postdoc an der Unicamp, wo er zu nicht-modernen Schnittstellen bei Oswald de Andrade und Walter Benjamin forschte, sowie Fellow am Exzellenzcluster Temporal Communities: Doing Literature in a Global Perspective an der Freien Universität Berlin.
Darüber hinaus engagiert sich Tomaz Amorim an der Schnittstelle von Akademie und Gesellschaft, unter anderem als Lehrer und pädagogischer Berater für die soziale Bewegung UNEAFRO Brasil. Als Übersetzer übertrug er Werke von Franz Kafka und Johann Jakob Bachofen ins Portugiesische. Als Schriftsteller und Kritiker veröffentlichte er den Band Arquipélago: literatura brasileira contemporânea (2023) sowie die Gedichtbände Plástico pluma (2018) und Meia-lua soco (2020). Zu seinen kommenden Herausgeberschaften zählen Na Semana que vem: História e futuro da Semana de Arte Moderna de 1922 (Editora da Unicamp, 2026) und Aesthetics of Extractivism (Mecila, Clacso, 2026).
Sein aktuelles Forschungsprojekt untersucht die ästhetischen Konfigurationen des Extraktivismus in der brasilianischen Literatur. Dabei analysiert er, wie infrastrukturelle Formen – von Kaffeeplantagen bis zum Bergbau – literarische Gattungen und Erzählweisen prägen. Im Fokus steht die Ambivalenz einer Modernisierung, die nie abgeschlossen wird und möglicherweise durch den Extraktivismus selbst blockiert wird. Das Korpus umfasst eine Revision des brasilianischen Modernismus aus der Perspektive extraktivistischer Praktiken sowie zeitgenössische Katastrophenliteratur. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf indigenen und Quilombola-Perspektiven, die durch innovative, an nicht-westliche Epistemologien gebundene ästhetische Formen nicht-extraktivistische Beziehungen zum Territorium vorschlagen.
2025 - Extraktivismus und Infrastruktur in der brasilianischen Literatur (DFG) In diesem Teilprojekt (TP 4) analysiere ich, wie materielle Versorgungsnetzwerke – von den Eisenbahnen der Kaffeemoderne bis zu den digitalen Landschaften des heutigen Bergbaus – die literarische Formbildung in Brasilien bedingen. Jenseits einer bloßen Thematisierung des Rohstoffabbaus frage ich nach der infrastrukturellen Logik in der Erzählstruktur selbst: Wie schreibt sich die Gewalt der Logistik in den Text ein und inwiefern blockiert der permanente Extraktivismus das Versprechen der gesellschaftlichen Modernisierung? Neben einer Re-Lektüre des Kanons untersuche ich, wie zeitgenössische indigene und Quilombola-Narrative durch innovative Ästhetiken nicht-extraktivistische Beziehungen zum Territorium entwerfen.
2023 - 2025 Poetik des Kaffees und Ambivalenzen der Moderne (Mecila/BMFTR) Im Rahmen des Mecila-Zentrums widme ich mich der „Poetik des Kaffees“ im Modernismus von São Paulo. Ich untersuche die konstitutive Ambivalenz einer Avantgarde, die einerseits ästhetische Innovation und die Rückbesinnung auf afro-indigene Perspektiven suchte, andererseits jedoch tief in die ökonomischen Strukturen der Industrialisierung und die Intensivierung extraktivistischer Infrastrukturen verstrickt war. In diesem Spannungsfeld zwischen künstlerischem Autonomieanspruch und der materiellen Basis der Kaffeeökonomie arbeite ich heraus, wie kulturelles Zusammenleben (Conviviality) unter den Bedingungen extremer Ressourcenasymmetrie ästhetisch verhandelt wurde.
2021 - Modernistische Kritik der Moderne: Oswald de Andrade und Walter Benjamin (Exzellenzcluster Temporal Communities, FU Berlin) (2022) Als Early Career Fellow im Forschungsbereich „Competing Communities“ an der Freien Universität Berlin untersuchte ich die Konkurrenz literarischer Zeitentwürfe. Im Zentrum meiner Arbeit stand die Konstellation zwischen dem brasilianischen Anthropophagismus und der Kritischen Theorie: Ich analysierte, wie Oswald de Andrade und Walter Benjamin durch den Rückgriff auf heterogene Zeitlichkeiten – das Indigene und das Messianische – die „homogene, leere Zeit“ des nationalstaatlichen Fortschritts in Frage stellten. Diese Analyse alternativer Vergemeinschaftungsformen bildet die theoretische Grundlage für das Verständnis von Zeit und Geschichte in meinen aktuellen Forschungen zur Infrastruktur.
Lehrtätigkeit an der State University of Campinas (Brasilien)
Erstes Semester 2022
Erstes Semester 2020
Eine Auflistung aller Publikationen von Dr. Tomaz Amorim Izabel steht hier zum Download zur Verfügung.